Den richtigen Freelancer finden

Von 19. Dezember 2011 Selbstständigkeit 5 Kommentare

Wie findet man eigentlich den passenden Freelancer? Ich selbst bin einer und benötige ab und zu auch Unterstützung von externen Kräften. Somit kann ich diese doch umfangreiche Problematik aus beiden Gesichtspunkten wieder geben.

Oftmals wird die Qualität eines Freelancers ausschließlich am Stunden- bzw. Tagesatz festgemacht. Ein schwerwiegender Fehler, der nicht selten mehr Kosten und Zeitaufwand mit sich bringt.

Eigene Erfahrung

Vor Kurzem war ich wieder auf der Suche nach einer Fachkraft, welche mich in einer doch relativ einfachen Arbeit unterstützen sollte. Es ging letztendlich nur um HTML und etwas Javascript in einem Shopsystem. Aufgabe 1 war das Ersetzen einer Popup-Galerie in einem Shopsystem durch eine andere Software. Diese konnte von einer anderen Webseite aus dem Quellcode gezogen werden (mit Erlaubnis versteht sich). Aufgabe 2 war, Attribute eines Artikels in zwei Ebenen zu verschachteln. Beispiel: Ich wähle bei einem Produkt (PC-System) den Laufwerkstyp “DVD” aus und bekomme dann eine weitere Dropdown-Liste mit den möglichen DVD-Laufwerken eingeblendet (ohne Seiten-Reload) oder ich wähle CD aus und bekomme dann eine andere Dropdown-Liste mit möglichen CD-Laufwerken ausgegeben, die DVD-Auswahlliste verschwindet natürlich. Alles konnte in einer einizgen Template-Datei erledigt werden.

Meine Zielsetzung war noch die Erledigung binnen 4 Arbeitstagen wobei ich die reine Arbeitszeit bei maximal 10 Stunden sah und dies im Grunde genommen passen sollte. Ich erhielt rund 15 verschiedene Angebote von Entwicklern. Die Stundensätze gingen von 39 bis 80 € Netto. Ich fragte jedoch auch bei allen Angeboten nach, wie viel Zeit die jeweiligen Freelancer einplanen und hier kommen wir zum ausschlaggebenden Punkt.

Rechnen lohnt sich

Grundsätzlich wurde ein Schema klar, was allzu oft angewendet wird. “Ich locke mit kleinem Stundensatz und verdiene an einer höheren Stundenanzahl”. Sicher, einige benötigen etwas länger, andere sind wiederum routinierter. Aber wir reden hier teilweise vom 10-25 fachen der Zeit, die ein Programmierer benötigen würde, welcher sich mit der Problematik auskennt und seine Kenntnisse effektiv und schnell umsetzen kann.

Der günstigeste Anbieter mit einem Stundensatz von 39 € berechnete 100 (!) Arbeitsstunen für diese beiden Aufgaben. Das wären 3.900 € Netto. Die “teueren” Freelancer kamen dann schon eher in den Bereich, der von mir eingeplant wurde. Ich entschied mich dann für jemanden, der 70 € die Stunde kostete und 4 (!) Stunden eingeplant hat, je Aufgabe 2 Stunden. Das sind insgesammt 280 € also ganze 3620 € weniger (oder ein vierzehnstell) als der vermeintliche “günstige” Freelancer.

Zum Schluss drängte dann doch die Fertigstellung des Projektes und ich habe eine der beiden Aufgaben selbst gelöst. In einer Stunde wohlgemerkt, damit bin ich also 50 mal schneller als meine Konkurrenz… toll :-) Die andere Aufgabe erfüllte der besagte “teure” Freelancer in der besprochenen Zeit zu meiner vollsten Zufriedenheit und wieß mich sogar noch auf einige wichtige Dinge hin.

Sie sehen also, der Stundensatz allein sagt noch nichts über die Qualität und das Preis-Leistungs-Verhältnis aus. Folgend nun noch eine Zusammenfassung von Tipps rund um die Suche nach Freelancern.

Das sollten Sie beachten

  • Wirklich interessant ist das Ergebnis aus Stundensatz mal Stundenanzahl. Denn erst das Ergebnis daraus sind Ihre Kosten.
  • Meist steckt hinter einem vermeindlich zu teurem Stundensatz die günstigere, schnellere und stressfreie Alternative. Aber auch nicht immer!
  • Lassen Sie sich durch Referenzen bestätigen, dass der Freelancer Erfahrungen auf gefordertem Gebiet hat. Sein Lehrgeld sollten Sie nicht bezahlen.
  • Handelt es sich um umfangreiche oder individuelle Aufgaben, die nur selten in dieser Art existieren, berechnen Sie unbedingt ausreichend Einarbeitungszeit ein. Somit vergrößern Sie auch den Kreis möglicher Angebote.
  • Gerade bei Aufträgen größeren Umfangs sind Verträge, in denen die einzelnen Punkte zur Erledigung und der damit verbundenen Vergütung per Unterschrift bekrätigt sind, unabdingbar.
  • Klären Sie vorab Alles bis ins Detail. Jede Minute extra, die zur Planung benötigt wird spart Geld, Zeit und Nerven. Sätze nach der Fertigstellung wie “Na eigentlich wollte ich noch [...] das ist doch selbstverständlich!” sind ein No-Go und fast immer auf Fehler in der Plaunung zurückzuführen.

Haben Sie selbst Erfahrungen zum Thema gemacht? Sind Sie vielleicht bei einigen Punkten ganz anderer Meinung oder fehlt sogar etwas Wichtiges? Dann schreiben Sie einfach einen Kommentar.

Über Peter

Ich bin seit 2008 selbständiger Web-Entwickler und Inhaber von Design-Insel.de. Ich versorge meine Kunden mit anspruchsvollen und erfolgsorientierten Weblösungen. Dazu zählen mittelständische aber auch größere Unternehmen wie T-Systems und Zalando.

5 Kommentare

  • Frank sagt:

    Guter Beitrag, kann ich definitiv so bestätigen. Es ist manchmal sehr ratsam, etwas mehr zu hinterfragen (Stundenanzahl, Wissen) als schnell den günstigsten zu nehmen.

  • Daniel sagt:

    Jedoch müssen auch nicht unbedingt die teuren die besseren sein. Es gibt auch viele Freelancer, die einen sehr guten Kurs haben und tolle Arbeit leisten. Ich denke man sollte wirklich alle Aspekte beachten. Also Stundensatz, Dauer, Erfahrung usw.

  • Kurz und gut auf den Punkt gebracht, wobei es natürlich immer Abweichungen im positiven wie im negativen Sinne geben kann.
    Ich habe sehr routinierte Programmierer zur Hand, die zwischen 10 und 15 Euro pro Stunde kosten, allerdings ist unser Firmensitz in Thailand.

  • sascha sagt:

    >… Ich denke 10-15 € ist ein beachtlicher überdurchschnittlicher Stundenlohn in Thailand :-)..<
    LOL.. ja, eher €1 für den Programmierer und € 14 für den Projektleiter… aber gute Projektleiter sind wichtig, das weiß jeder der jemals seine PSD datei an einen Programmierer gegeben hat….

Hinterlasse eine Antwort